Diskussion um Straßenumbenennung

Stephan Krüger macht Vorschlag

Von Hubert Brand

Der Historische Beirat hat die Empfehlung gegeben, die Fritz-Lehmann-Straße umzubenennen. Die Begründung ist, dass „das Verhalten Lehmanns in der NS-Zeit eindeutig geprägt von einer Affinität zu der nationalsozialistischen Betriebsführer- und Betriebsgemeinschaft war und er die direkte Verbindung mit der Partei und ihren Organisationen nutzte. Besonders der Einsatz von Zwangsarbeitern und seine Rüstungsanstrengungen lassen eindeutig erkennen, dass Lehmann das NS-System der Verfolgung, der Ausgrenzung und des Angriffskrieges voll unterstützte.“

Daraufhin lag der Bezirksvertretung Mülheim am 22. Juni 2026 eine Beschlussvorlage bezüglich der Umbenennung vor. Dabei soll eine Anwohner*innenbefragung zwecks umfassender Meinungsbildung durchgeführt werden.

Stephan Krüger von der CDU-Fraktion schlug nun vor, statt des Nationalsozialisten den 1901 in Berlin geborenen Fritz Lehmann als Grundlage für eine Umbenennung zu nehmen. So würden den Anwohner*innen die Unannehmlichkeiten und Kosten einer Umbenennung erspart.

Krüger hatte seine Recherchen erst am Sonntag vor der Sitzung durchgeführt. So kurzfristig, dass es auch noch keine Abstimmung mit dem Namensarchiv gibt.

Daniela Hilgers von Bündnis 90/Die Grünen lobte den Vorschlag Krügers als charmante Lösung, während der Einzelmandatsträger Hasan Celebi die Intention der Umbenennung nicht ausreichend berücksichtigt sieht. Er machte den Vorschlag, den Betroffenen auch finanziell entgegenzukommen. Um das Thema mit dem gebührenden Respekt zu behandeln, wird der Beschluss auf die September-Sitzung vertagt.

Von Lehmann sei bekannt, dass er 1933 von den Nationalsozialisten aus Köln entlassen wurde. Im Frühjahr 1934 schloss er sich dem Exodus deutscher Wissenschaftler an, die sich auf den Weg zur New School for Social Research machten.*

Lehmann verfasste gemeinsam mit Gerhard Colm eine Studie zur US-Steuerpolitik, die 1938 für großes Aufsehen sorgte. Mit nur 39 Jahren starb Fritz Lehmann im Juli 1940, offenbar beging er Suizid.

2021 hatte der Verwaltungsvorstand das Projekt „Umgang mit dem (post)-kolonialen Erbe Kölns“ im Amt für Integration und Vielfalt initiiert.

Die Recherche und Begutachtung wurde durch einen eigens hierfür gegründeten Historischen Beirat, bestehend aus einem Historiker*innenteam mit nachgewiesener Fach- und Sachkompetenz, durchgeführt.

Der Historische Beirat hat sich u. A. mit der Fritz-Lehmann-Straße befasst, deren Namensgeber 1882 geboren wurde, 1965 verstorben ist und während der NS-Zeit Generaldirektor des Kölner Kabelunternehmens Felten & Guilleaume AG war.